Braves Mädchen

Was ist ein braves Mädchen? Was ist der Preis dafür und was ist eigentlich so schlimm daran?

Es sind viele kleine Verhaltensweisen. Einzeln fallen sie nicht auf. Vielleicht hinterlassen sie ein ungutes Gefühl und meistens wirst Du denken, was soll’s?!

Aber: Sie summieren sich zu einem Gesamtbild des braven Mädchens. Das brave Mädchen, das zu einer Frau wird, die jeder gerne mag. Die immer nett ist, verlässlich, leise, unsichtbar, unhörbar. Ist immer hilfsbereit und beklagt sich nie. Gibt sich zufrieden mit dem (meist kleineren) Anteil, den sie bekommt.

Der Preis dafür sind neben unendlicher Erschöpfung, Gender Pay Gap, Gender Pension Gap, Gender Lifetime Earnings Gap und Gender Care Gap.

Schuld daran soll der Confidence Gap sein. Also eine Lücke im bzw. das Fehlen von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit.

Es sieht aus wie das Fehlen von Selbstsicherheit. Das ist der Eindruck, der entsteht. In Wirklichkeit ist es aber eher so, dass wir uns in einem System bewegen, mit einem bestimmten sozialen Verhalten, welches es so aussehen lässt.

Wir sind so konditioniert. Von Klein auf.

Wenn ich braves Mädchen sage, meine ich bestimmte Verhaltensweisen

braves Mädchen Selbstbewusst

Automatische Antworten – a.k.a. braves Mädchen zum Quadrat

Es ist die automatische Antwort, das zu schnelle „Ja“ oder das zu schnelle „Nein, es ist nichts“. Oder auch sehr beliebt: „Alles gut!“

Das automatische „ja“ erkennst du daran, dass Du z.B. schnell zugesagt hast, eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, die Du eigentlich gar nicht machen wolltest.

Oder grundsätzlich wenn du ohne Nachdenken zu etwas zugestimmt hast. „Kein Problem!“

Das automatische „Nein“ funktioniert genau so. Jemand bietet Dir Hilfe an, z.B. weil er sieht, wie Du Dich mit dem Kinderwagen und den Einkaufstaschen beim Aussteigen aus der Bahn abmühst und Du lehnst ab.

Grenzüberschreitungen

Du beantwortest Fragen, die Du nicht beantworten willst.

Erstarren

Wir alle – nicht nur, aber besonders Frauen – kennen solche Situationen, bei denen wir sprachlos sind, obwohl wir innerlich 1000 Gedanken und Gefühle in dem Moment haben.
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Eine indiskrete Frage, ein unangebrachter Kommentar, eine ungeschickte Formulierung, eine Beleidigung, ein überraschender Moment in einem Meeting.

Solche Momente bewirken eine Stressreaktion, die sich „Erstarren“ nennt – ein Moment neuromuskulärer Blockade; ein Zustand, der vorübergehend sprachlos macht.
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Projekte und Chancen sterben in diesem Moment. Beförderungen, Gehaltserhöhungen und Ansehen werden in diesem Moment in die falsche Richtung geleitet. Zustimmung wird unklar, Grenzen werden verletzt. Das Problem sind nicht nur die schlechten Dinge, die in der Folge passieren, sondern die ganzen schönen Dinge, die nicht passieren.
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Speziell zu diesem Thema habe ich einen Workshop konzipiert. Dort erkläre ich wie es zu diesem Erstarren kommt, worin die Ursachen liegen (Spoiler: Es liegt an der Braves Mädchen Konditionierung) und ich gebe eine Strategie, dieses Erstarren zu brechen.

Du kannst Dich hier in die Warteliste eintragen.

Die Pflegeleichte

Sie braucht nichts. „Mir geht’s gut.“

Verbiegt sich und macht es anderen leicht.

Wenn Sie nach etwas fragt, wird die Wichtigkeit davon heruntergespielt. In der Folge werden dem anderen, einfache Wege aus der Situation angeboten.

Das innere vorab Verhandeln mit Dir selbst

Wünsche runter und sich selbst aus etwas heraus verhandeln. Nicht 100% verlangen, von dem was Du willst.

Ein braves Mädchen hat keine Wünsche

Ich bin auf eine Studie gestoßen, die Frauen in der Berufswelt untersucht hat. Die Ergebnisse zeigen die Probleme auf, die immer noch die Karriere von Frauen blockieren. 

Ein großes Problem dabei: „unentitled Mindset“. 

Also gibt es eine „nicht-anspruchsberechtigte Geisteshaltung“. 

Das führt dazu, dass Frauen sich in allen Bereichen ihres Lebens, weniger berechtigt fühlen, als Männer. Sie erwarten weniger, wollen nicht zu viel Platz beanspruchen, nicht mehr verlangen.

Es entsteht eine Anspruchslücke zwischen Frauen und Männern. Es führt zu ungleichen Löhnen, häuslicher Belastung, Kinderbetreuung, elterlicher Fürsorge und unbezahlter Arbeit, die hauptsächlich auf den Schultern von Frauen lastet.

Die Studie umfasst 82 Seiten OMG 🤓 aber zum Glück gibt’s die Zusammenfassung als Video! (Dauer 2 min.)

Vermutete Reziprozität

Wenn Du anderen etwas Gutes oder einen Gefallen tust, in der Hoffnung, die Person macht irgendwann, wenn Du es brauchst, das Gleiche Für Dich. Macht sie aber nicht.

Unsichtbare Arbeit

Du bist die Wundertäterin hinter den Kulissen. Du organisierst alles im Hintergrund, Du fängst Emotionen auf, denkst an tausende von Dingen, von denen keiner sonst etwas weiß, Dir Wertschätzung dafür gibt oder Du es bezahlt bekommst.

Ich denke dazu gehört auch, dass in der jetzigen Zeit der Pandemie, überwiegend die Frauen, vermehrt für Care-Arbeit eingesprungen sind. Hier nochmal verlinkt der Zeit-Artikel von Jutta Allmendinger

Sich unnötigerweise entschuldigen

… wenn es nichts gibt, für das Du Dich entschuldigen solltest.

Komplimente ablehnen

… oder nicht annehmen können. „Ach, das war doch nichts. War ganz leicht..!“

Ein braves Mädchen erfüllt unausgesprochene Erwartungen

Übernimmst Du Aufgaben, die nicht zu Deinem Job gehören, die nie ausgesprochen wurden und denen Du nie aktiv zugestimmt hast, die aber regelmäßig erfolgen?

Dazu gehören das Einräumen der Spülmaschine im Büro, Geburtstags- oder Ausstandsgeschenke organisieren, Elterndienst in der Schule oder Kita.

Es fühlt sich so an, dass, wenn Du es nicht mehr machst, würdest du eine Abmachung brechen, der Du aber nie zugestimmt hast.

Das führt dazu, dass die Sache dann mit Dir als Person assoziiert wird oder die Arbeit unsichtbar wird, weil keiner mitbekommt, wer es macht.

Natürlich… unbezahlt, kostet aber Deine Zeit und Energie.

Nicht fragen…

…aus Angst ein „Nein“ zu hören.

Und niemand weiß eigentlich, was genau Du Dir wünscht.

Nicht aufs Bauchgefühl hören…

… aber später feststellen, dass Du besser Deiner Intuition vertraut hättest.

Niemand hat Dir beigebracht, wie Du ein braves Mädchen wirst

Diese Verhaltensweisen lernen Kinder durch soziale Interaktion. Auch Jungs werden auf eine bestimmte weise sozialisiert.

Was man sozial lernt, kann man auch sozial wieder verlernen.

Du kannst einen ersten Schritt bei einem Workshop mit anderen zusammen erfahren (Termine stehen noch nicht fest).

Oder Du kannst persönlich mit mir zusammen arbeiten.

Ich unterstütze Dich gerne mit einem gezielten und maßgeschneiderten Coaching. Melde Dich zu einem Erstgespräch und wir finden heraus, wie ich Dich unterstützen kann.

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