Der Blinde Fleck – an einem Beispiel erklärt

Blinder Fleck

Der Blinde Fleck der Anderen…

…oder wie der Blinde Fleck mir beispielhaft vorgeführt wurde, damit ich Euch heute davon berichten kann.

Zu den Dingen, die ich fast gar nicht mehr mache, seitdem ich Kinder habe, gehört planlos in der Stadt zu bummeln. Ich meine, wann hat eine Mutter, die auch noch einen Beruf hat, schon mal keinen Termin, kein Ziel auf das sie im Stechschritt zumarschiert oder einfach mal so freie Zeit? Das kommt selten vor, umso mehr habe ich meinen freien Tag in der Stuttgarter City genossen.

An einem kleinen Geschäft lese ich „Wir schließen – 20% Rabatt“. Ja, da gehe ich doch gleich mal rein. Es ist ein kleiner Gewürz- und Feinkostladen, der schließt, weil eine Investorenfirma den ganzen Häuserblock gekauft hat und gleich mal die Mieten erhöht hat. Im Laden an der Theke steht eine junge Frau mit dunklen Haaren. Sie ist freundlich und spricht sehr gut Deutsch mit einem Akzent.

Ich schaue mich lange um und überlege, was ich kaufen könnte. In der Zwischenzeit bedient sie andere Kunden, unterhält sich, bietet Delikatessen zum Probieren an und Espresso. Alle sind begeistert. 

Unter den anderen Kunden sind eine mittelalte Frau und wenig später ein ebenso mittelalter Mann. Schwäbischer Akzent. Ich schaue mich weiter um und warte bis die beiden ihre Waren ausgesucht und bezahlt haben. Währenddessen lausche jeweils den Gesprächen. 

Der Blinde Fleck – die Erste 

Als die erste Frau bezahlt hat und sich verabschieden will – mit den besten Wünschen für die Zukunft natürlich – fragt sie die Verkäuferin, ob sie, jetzt wo der Laden schließt, in ihre Heimat zurückgeht. Das klingt ja nach ehrlichem Interesse. Bei mir klingelt da immer ein Alarm.

Durch so eine Frage fühle ich mich immer getriggert. Da schwingt für mich immer der Meta Satz mit, „du bist anders, du bist nicht von hier, du gehörst hier nicht hin, wann gehst du, jetzt wirst du ja nicht mehr gebraucht.“

Auch ich habe diese Frage schon gestellt bekommen. Ich bin einerseits vorbelastet, andererseits verstehe ich vorher das kommt. Hier steckt der Blinde Fleck,  weil die Frau sich nicht vorstellen kann, dass eine Verkäuferin besser ausgebildet sein könnte und vor allem sie selbst war noch nie in der Situation aus eigener Entscheidung oder aus welchem Grund auch immer, in einem anderen Land zu leben. 

Die Verkäuferin reagiert super freundlich und super cool. Zunächst erklärt sie, dass sie schon sehr lange in Deutschland lebt, mit einem Deutschen verheiratet ist und weil sie Maschinenbau studiert hat, es besser für sie wäre, in der Region zu bleiben, da sie in dem Bereich arbeiten kann. Die Kundin ist sichtlich beeindruckt. Ihre Perspektive auf die junge Frau verändert sich. Damit hat sie nicht gerechnet. Sie wirkt etwas verwirrt und verschwindet schnell aus dem Laden.

BAM! Nimm das! Ich hab das innerlich so gefeiert. Auch ich erlebe wie manche Menschen eine Art kognitive Dissonanz erleben, wenn ich meinen Beruf erwähne und bei den Personen ihr Bild im Kopf von Ausländern nicht mehr zusammen passt. Oder ihr Bild von Frauen. Oder ihr Bild von Müttern. Oder ihr Bild von ausländischen berufstätigen Müttern. 

Der Blinde Fleck – die Zweite

Der zweite Kunde hatte während er seinen Espresso trank, im Gespräch herausgefunden, dass die Verkäuferin aus dem Iran stammt. Da wollte er nach dem Zahlen auch besonders nett sein und sich originell verabschieden. Er sagte dann etwas, das ein Abschiedsgruß in einer Sprache sein sollte, die sie versteht. Worauf sie lachte und meinte, das sei Arabisch und nicht Persisch.

Und wieder dieser Trigger in mir „du bist anders, du bist nicht von hier, ihr seid alle irgendwie gleich!“ (Zur Info: Iraner sind Perser und keine Araber. Anderes Land, andere Sprache, andere Kultur.)

Das ist der Blinde Fleck. Sie stellen Fragen oder machen Aussagen, ohne zu wissen, dass sie jemanden damit verletzen können. Sie haben keine Vorstellung davon, dass sie fremdenfeindlich rüber kommen.

Aber da hat mich die junge Frau wieder beeindruckt: Sie hat ihn freundlich in ihrer Sprache verabschiedet und ihm erklärt, was genau sie gesagt hat. In der Art „Vielen Dank, kommen Sie gut nach Hause und wir freuen uns, wenn Sie wiederkommen!“

Die ganze Zeit über war sie sehr freundlich und zuvorkommend und aus verkäuferischer Sicht meiner Meinung nach einfach eine Top-Mitarbeiterin, hat sie doch mit ihrer Art einiges verkauft. Sie ist eine Bereicherung für jeden Laden oder auch künftig für ein Ingenieurbüro. Generell eine Bereicherung für jedes Land. 

Ich hoffe, dass bei den beiden, durch das subtile Feedback der jungen Frau, ihr Blinder Fleck etwas mehr Informationen erhalten hat. 

Coaching 

In Teams oder bei Führungskräften kommt es vor, dass ein gewisses Verhalten, beim Umfeld anders wahrgenommen wird, als beabsichtigt. 

Um jetzt den Bogen zum Coaching zu schließen…

Durch Perspektivenwechsel, Feedback und anderen Tools (z.B. Johari-Fenster)  kann so ein Verhalten sichtbar gemacht werden. 

Wenn Du nun neugierig bist und in dem Bereich gerne mit mir zusammenarbeiten möchtest, dann schreib mir an:
info@thegoodworkingmom.com und wir vereinbaren ein unverbindliches Erstgespräch.

Ich freue mich, bis bald

Deine good working mom
Anna

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