Ein neues Jahr… bei dem, was uns 2020 gebracht hat, stecken viele Menschen jetzt wahrscheinlich all ihre Hoffnungen in 2021. Aber: Nur weil in ein paar Tagen die Jahreszahl wechselt, wir sich nichts ändern. So war es schon immer und so wird es immer bleiben.
Damit meine ich nicht die Veränderungen im Außen. Umstrukturierungen in der Firma, neuer Chef, neue Kollegen, neuer Friseur, Lieblingsrestaurant pleite… darauf hast Du keinen Einfluss. Erst recht nicht dieses Jahr. Wir erleben den Jahreswechsel im Lockdown.
Alle Lebensbereiche werden auf die ein oder andere Weise davon betroffen sein – und sind es seit März diesen Jahres. Dennoch hast Du Deinen Weg gefunden damit umzugehen. Alles, was wir bisher erlebt haben in unserem Leben hatte uns darauf vorbereitet.
Wie wir darauf reagieren und unser Leben danach ausrichten hängt allein von uns selbst ab. Also welche Dinge können wir selbst beeinflussen und ändern.
Es ändert sich nur etwas, wenn du entscheidest etwas zu verändern.
Schauen wir auf das, was wir gelernt haben durch die Herausforderungen des Jahres.
Was hat das Jahr mit/aus uns gemacht?
Mit welchen Stärken gehen wir daraus hervor?
Was haben wir gut gemacht, trotz aller Widrigkeiten.
Was können wir weiter machen? Was eher nicht?
Ich glaube, dass wir vieles gelernt haben über uns und über unsere Fähigkeiten. Wir haben auch viel über andere Menschen gelernt. Wie wir miteinander umgegangen sind. Mit unseren Freunden und Familienangehörigen. Darüber wie fremde Menschen im Supermarkt sich verhalten haben. Daraus wird sich einiges ableiten lassen für die Zukunft.
Keine Zukunft ohne Rückblick
Ich kenne viele, die einen Jahresrückblick machen und für ein neues Jahr planen. Auch ich habe meine Methode, auf die ich seit ein paar Jahren nicht verzichten möchte. Jedes Jahr verfeinere ich sie und mache die Planung detaillierter.
Es geht über eine gute Reflexion des vergangenen Jahres über zum Planen Deiner Haltung für ein neues Jahr. Dazu gehört auch das Entwickeln von Zielen mit Hilfe von Träumen und einer Vision. Dabei werden auch die Gefühle auch berücksichtigt und nicht nur die sachlichen Fakten.
Im Bereich Downloads gibt es ein Workbook mit Leitfragen für deinen Jahresrückblick für Newsletter Abonnentinnen.*
Früher konnte ich mit dem Begriff Sichtbarkeit nicht viel anfangen. Seitdem ich mich mit meinen Beiträgen im Social Media und meinen Perspektiven im Unternehmensumfeld beschäftige, habe ich jedoch verstanden, welchen Effekt diese Sache mit der Sichtbarkeit auf die Entwicklungsmöglichkeiten – vor allem von Frauen – hat.
Sichtbarkeit bedeutet z.B. sich bei Netzwerkveranstaltungen zu zeigen, in Besprechungen etwas zu sagen und dabei wichtige Wörter zu verwenden. Mit ausgewählten Kollegen gemeinsam Mittagspause machen gehört auch dazu.
Es ist am Ende eine Wirkung von Selbstbewusstsein, weil eine Person immer und immer wieder irgendwo im Sichtfeld der Führungskräfte und Kollegen auftaucht und somit bekannt ist. Vielleicht sogar bekannt für ein bestimmtes Thema.
Es ist eher wahrscheinlich, dass man bei einem Problem angesprochen wird, wenn man einen kennt und vertraut.
Sichtbarkeit ist entscheidend für Entwicklungsmöglichkeiten
Mel Robbins, die ich in meinen Beiträgen oft zitiere, und die in ihren Vorträgen oft das Thema Karrieremöglichkeiten von Frauen behandelt, macht auf einen interessanten Effekt aufmerksam: Nur sichtbare Arbeit wird belohnt. Mit Beförderungen! In dem verlinkten Video sind sehr viele Tipps enthalten. Schaut es Euch mal an. Ist unter 5 Minuten.
Es gibt eine Studie der Harvard Universität, die festgestellt hat, dass Frauen bei gleichen Noten, gleicher Qualifikation, gleiche Weiterbildung etc. im Job weniger befördert wurden als die männlichen Vergleichspersonen. Und man hatte festgestellt, es liegt an ihrer fehlenden Sichtbarkeit.
Meine persönliche Erfahrung
Ich habe jahrelang gedacht, meine Leistung würde für sich sprechen und meine Vorgesetzten müssten mich von sich aus wählen und mich befördern. Leider läuft es nicht so.
Nochmal: Befördert werden eher Personen, die Sichtbarkeit haben, weil sie selbstbewusst wirken, ihre Arbeit zeigen und darüber sprechen. Sicher es gibt auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen, aber das geschickte Eigenmarketing gehört dazu.
Tijen Onaran schreibt in ihrem Buch „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“:
„Auch wenn die Vorstellung sehr schön ist, so müssen gerade Frauen im Berufsleben immer wieder feststellen, dass niemand auf sie zukommt und sie anspricht, ob sie nicht bei diesem oder jenem Projekt mitmachen wollen, weil sie sich fachlich dafür eignen. Gerade auch innerhalb von Unternehmen gilt: Wenn du aufsteigen willst, musst du dich selbst für bestimmte Projekte oder Positionen vorschlagen und dich immer wieder ins Spiel bringen.“
Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Mein Chef kennt mich seit 17 Jahren, aber er weiß nicht wirklich viel über meine Arbeit, weil ich nicht immer wieder darüber gesprochen habe. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass Projekte, die zu mir gepasst hätten, abgelehnt wurden, weil niemand an mich gedacht hatte. Wie auch? Ich war damals nicht sichtbar und habe eher im Hintergrund gearbeitet. Fleißig aber ohne Sichtbarkeit für die anderen.
Sichtbarkeit für das Management
Tatsächlich hat mir eine frühere Führungskraft mal erzählt, dass wenn es um die Besetzung einer Stelle ging und es im Managementkreis besprochen wurde bei der Nennung einer Person, gefragt wurde „Habe ich schon mal von dem gehört?“ oder „Kenne ich sie?“.
Am Ende wird dort über die Besetzung einer Position entschieden. Und selbst wenn du besser qualifiziert bist, als dein Mitbewerber, wenn dich keiner kennt, wenn niemand weiß wofür du stehst, wie du auf dem Parkett des Unternehmens agierst, dann wird man dich leider nicht bevorzugen.
Sichtbarkeit für working moms
Wie verhält es sich nun für berufstätige Mütter mit dieser Sichtbarkeit? Vor allem für die, die den Hauptanteil der Care-Arbeit übernehmen.
Mütter gehen früher nach Hause, vor allem immer pünktlich zur selben Zeit, wegen der Kita Schließzeiten.
Sie sind bei den wichtigen Besprechungen oft nicht dabei, weil die spät sind und lange dauern.
Sie gehen nicht mit zum Essen, weil sie keine Pause machen oder nur in Teilzeit da sind.
Netzwerkveranstaltungen sind oft abends, was eine Teilnahme erschwert.
Also insgesamt weniger Zeit und Gelegenheit über sich und seine Arbeit zu sprechen und sich in Blickfeld der entscheidenden Personen zu bringen.
Kommt dir etwas davon bekannt vor?
Was kannst du anders machen?
Es ist wie immer ein Prozess und kleine Schritte führen zum Ziel. Vielleicht gehst du mal wieder mit jemandem zum Mittagessen? Oder du trägst etwas zum nächsten Team Meeting bei? Oder du bewirbst dich auf eine Stelle weiter oben in der Hierarchie?
Auf jeden Fall wirst du aus deiner Komfortzone herauskommen. Frag dich, wofür willst du stehen – außer dafür, dass du eine working mom bist.
Ich helfe dir dabei, aus deiner Komfortzone zu kommen und in die Sichtbarkeit zu gehen. Melde dich gerne zu einem Kennenlerngespräch mit mir an. Es ist unverbindlich und wir können herausfinden, wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann.
…oder wie der Blinde Fleck mir beispielhaft vorgeführt wurde, damit ich Euch heute davon berichten kann.
Zu den Dingen, die ich fast gar nicht mehr mache, seitdem ich Kinder habe, gehört planlos in der Stadt zu bummeln. Ich meine, wann hat eine Mutter, die auch noch einen Beruf hat, schon mal keinen Termin, kein Ziel auf das sie im Stechschritt zumarschiert oder einfach mal so freie Zeit? Das kommt selten vor, umso mehr habe ich meinen freien Tag in der Stuttgarter City genossen.
An einem kleinen Geschäft lese ich „Wir schließen – 20% Rabatt“. Ja, da gehe ich doch gleich mal rein. Es ist ein kleiner Gewürz- und Feinkostladen, der schließt, weil eine Investorenfirma den ganzen Häuserblock gekauft hat und gleich mal die Mieten erhöht hat. Im Laden an der Theke steht eine junge Frau mit dunklen Haaren. Sie ist freundlich und spricht sehr gut Deutsch mit einem Akzent.
Ich schaue mich lange um und überlege, was ich kaufen könnte. In der Zwischenzeit bedient sie andere Kunden, unterhält sich, bietet Delikatessen zum Probieren an und Espresso. Alle sind begeistert.
Unter den anderen Kunden sind eine mittelalte Frau und wenig später ein ebenso mittelalter Mann. Schwäbischer Akzent. Ich schaue mich weiter um und warte bis die beiden ihre Waren ausgesucht und bezahlt haben. Währenddessen lausche jeweils den Gesprächen.
Der Blinde Fleck – die Erste
Als die erste Frau bezahlt hat und sich verabschieden will – mit den besten Wünschen für die Zukunft natürlich – fragt sie die Verkäuferin, ob sie, jetzt wo der Laden schließt, in ihre Heimat zurückgeht. Das klingt ja nach ehrlichem Interesse. Bei mir klingelt da immer ein Alarm.
Durch so eine Frage fühle ich mich immer getriggert. Da schwingt für mich immer der Meta Satz mit, „du bist anders, du bist nicht von hier, du gehörst hier nicht hin, wann gehst du, jetzt wirst du ja nicht mehr gebraucht.“
Auch ich habe diese Frage schon gestellt bekommen. Ich bin einerseits vorbelastet, andererseits verstehe ich vorher das kommt. Hier steckt der Blinde Fleck, weil die Frau sich nicht vorstellen kann, dass eine Verkäuferin besser ausgebildet sein könnte und vor allem sie selbst war noch nie in der Situation aus eigener Entscheidung oder aus welchem Grund auch immer, in einem anderen Land zu leben.
Die Verkäuferin reagiert super freundlich und super cool. Zunächst erklärt sie, dass sie schon sehr lange in Deutschland lebt, mit einem Deutschen verheiratet ist und weil sie Maschinenbau studiert hat, es besser für sie wäre, in der Region zu bleiben, da sie in dem Bereich arbeiten kann. Die Kundin ist sichtlich beeindruckt. Ihre Perspektive auf die junge Frau verändert sich. Damit hat sie nicht gerechnet. Sie wirkt etwas verwirrt und verschwindet schnell aus dem Laden.
BAM! Nimm das! Ich hab das innerlich so gefeiert. Auch ich erlebe wie manche Menschen eine Art kognitive Dissonanz erleben, wenn ich meinen Beruf erwähne und bei den Personen ihr Bild im Kopf von Ausländern nicht mehr zusammen passt. Oder ihr Bild von Frauen. Oder ihr Bild von Müttern. Oder ihr Bild von ausländischen berufstätigen Müttern.
Der Blinde Fleck – die Zweite
Der zweite Kunde hatte während er seinen Espresso trank, im Gespräch herausgefunden, dass die Verkäuferin aus dem Iran stammt. Da wollte er nach dem Zahlen auch besonders nett sein und sich originell verabschieden. Er sagte dann etwas, das ein Abschiedsgruß in einer Sprache sein sollte, die sie versteht. Worauf sie lachte und meinte, das sei Arabisch und nicht Persisch.
Und wieder dieser Trigger in mir „du bist anders, du bist nicht von hier, ihr seid alle irgendwie gleich!“ (Zur Info: Iraner sind Perser und keine Araber. Anderes Land, andere Sprache, andere Kultur.)
Das ist der Blinde Fleck. Sie stellen Fragen oder machen Aussagen, ohne zu wissen, dass sie jemanden damit verletzen können. Sie haben keine Vorstellung davon, dass sie fremdenfeindlich rüber kommen.
Aber da hat mich die junge Frau wieder beeindruckt: Sie hat ihn freundlich in ihrer Sprache verabschiedet und ihm erklärt, was genau sie gesagt hat. In der Art „Vielen Dank, kommen Sie gut nach Hause und wir freuen uns, wenn Sie wiederkommen!“
Die ganze Zeit über war sie sehr freundlich und zuvorkommend und aus verkäuferischer Sicht meiner Meinung nach einfach eine Top-Mitarbeiterin, hat sie doch mit ihrer Art einiges verkauft. Sie ist eine Bereicherung für jeden Laden oder auch künftig für ein Ingenieurbüro. Generell eine Bereicherung für jedes Land.
Ich hoffe, dass bei den beiden, durch das subtile Feedback der jungen Frau, ihr Blinder Fleck etwas mehr Informationen erhalten hat.
Coaching
In Teams oder bei Führungskräften kommt es vor, dass ein gewisses Verhalten, beim Umfeld anders wahrgenommen wird, als beabsichtigt.
Durch Perspektivenwechsel, Feedback und anderen Tools (z.B. Johari-Fenster) kann so ein Verhalten sichtbar gemacht werden.
Wenn Du nun neugierig bist und in dem Bereich gerne mit mir zusammenarbeiten möchtest, dann schreib mir an: info@thegoodworkingmom.com und wir vereinbaren ein unverbindliches Erstgespräch.
Tja, in diesem Blog passiert leider nicht sehr viel in letzter Zeit. Offline ist halt auch sehr viel los und wie bereits in anderen Beiträgen beschrieben, bin ich ein großer Fan von Netzwerken, wo ich mich gerne engagiere. Die Methode, die ich aktuell teste, nennt sich Working Out Loud und ist ein Konzept fürs Netzwerken mit Strategie. Es bedeutet Beziehungen aufbauen, die von Bedeutung sind. Also Netzwerken mit den richtigen Personen zur richtigen Zeit, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Wie funktioniert Working out loud?
Man findet sich zusammen in sogenannten Circles von 4-5 Personen und trifft sich 12 Wochen lang, jeweils für eine Stunde pro Woche offline oder online, um bestimmte Übungen und Aufgaben zu bearbeiten. Die Übungen sind in den Circle Guides beschrieben, so dass man eine Anleitung hat und nicht planlos ist.
Nun ich bin jetzt seit 4 Wochen in einem Circle. Es macht Spaß sich auszutauschen und jeder hat hier noch einen Tipp oder da noch eine Idee und hier nochmal ne Anregung oder einen Kontakt, den man noch ansprechen könnte.
Ich hab jetzt schon gemerkt, dass es hauptsächlich darum geht, die Methode zu verinnerlichen. Es geht darum diese Erfahrung zu machen, WIE du mit Hilfe von einem Netzwerk ein Ziel erreichen kannst. Das eigentliche Ziel ist erst mal sekundär.
Am Ende jedes Circle Meetings bespricht man, was man sich für die kommende Woche vornimmt. Nachdem ich schon lange nichts mehr gebloggt habe, dachte ich das wäre doch eine gute Idee. Natürlich passiert nichts, wenn ich mich nicht daran halte, aber die Verbindlichkeit bzw. der Druck steigt schon an, wenn du den anderen sagst, was du dir vorgenommen hast.
Am Anfang des nächsten Circles besprechen wir, wie die Woche war. Habe ich umgesetzt, was ich mir vorgenommen hatte? Wenn nein, woran lag’s? Was oder wer kann helfen?
Nun ist diese Methode von dem Unternehmen, in dem ich arbeite, initiiert worden und alle Teilnehmer sind aus verschiedenen Bereichen des Konzerns. Auch aus anderen Regionen in Deutschland. Wir „treffen“ uns lediglich virtuell, per Video-Call, was sehr gut funktioniert – sofern die Technik es zulässt oder in meinem Fall, weil es am späten Nachmittag stattfindet, die Kinder verhalten sich einigermaßen ruhig.
Außerhalb von Unternehmen
Es ist natürlich interessant für Mitarbeiter eines Unternehmens mittels Netzwerken sichtbarer zu werden, um sich innerhalb der Organisation weiter zu entwickeln.
Aber auch ohne Unternehmen im Hintergrund, können Circles stattfinden. Die Anleitungen sind für jeden auf der Working out loud Website zugänglich, so dass man sich auch privat gut selbst einen Circle organisieren könnte. Es gibt eine facebook Gruppe und bei entsprechendem Engagement könnte ich mir das Netzwerken mit Working out Loud auch für einen erweiterten Freundeskreis gut vorstellen.
Während meiner zweiten Elternzeit hatte sich mein Arbeitsplatz verändert; Bei der Rückkehr in den Job stellte ich fest: die Firma war gewachsen, neue Kollegen, neue Software, neuer Chef. Mein Projekt gab es nicht mehr. Alles war irgendwie anders. Der Wiedereinstieg war gar nicht mal so smooth, wie erwartet.
Die ersten zwei Monate waren total verrückt. Neue Aufgaben und ein junger Hochschulabsolvent an meiner Seite, der mich täglich zur Weißglut trieb. Ein Auftraggeber, der – meiner Meinung nach – nicht durchblickte und ich immer am Schwitzen, um pünktlich Feierabend zu machen. Zwei Kinder, 5 und 2 Jahre alt mussten pünktlich von der Kita abgeholt werden. Damals kam ich auf den Begriff „zweite Schicht“.
Jedes Mal wenn mir jemand einen schönen Feierabend wünschte, erklärte ich, dass jetzt erst mal die zweite Schicht anfing. Der Teil des Tages, der körperlich Kraft kostete. Der Job im Büro fühlte sich an wie der eigentliche Mutterschutz.
Vor und während der Rückkehr in den Job gingen mir – wie bestimmt anderen Müttern auch – typische Gedanken durch den Kopf. „Wahrheiten“ die du dir erzählst, weil sie sich gut anhören oder weil du dich damit besser fühlst. Oder weil du denkst die Gesellschaft will das so oder damit du deine Entscheidungen (vor dir) rechtfertigen kannst.
7 Gedanken, die Dich vor der Rückkehr in den Job belasten
1. Ich werde zuhause gebraucht – mein Kind braucht mich
War ich vielleicht zu lange weg gewesen? Ich hätte nicht zwei Jahre Elternzeit nehmen müssen, ein Jahr hätte auch gereicht. Aber mein Kind (oder ich?) war noch nicht so weit. Die Kleine brauchte mich total dringend! Und die Zeit mit den Kindern war super schön, wenn auch super anstrengend.
Auch wenn ich jetzt nicht mehr sagen könnte, was ich außer Hausarbeiten groß gemacht habe… manchmal war es auch langweilig und frustrierend. Ich suchte mir neue Hobbys und sehnte mich nach Gesprächen mit Erwachsenen.
Der Job war Meilenweit entfernt und im Alltag mit zwei Kindern zu einem kleinen verblassenden Punkt am Horizont geschrumpft.
Meine Kinder waren nicht hochsensibel, gesund, emotional ausgeglichen, neugierig, interessiert und kamen mit anderen Kindern super zurecht. Vielleicht wurde ich doch nicht rund um die Uhr gebraucht?
2. Ich war zu lange draußen
Dass nach der Rückkehr in den Job alles für mich anders und neu war, lag natürlich an der langen Abwesenheit. Ich war nicht wie alle andern in die neuen Abläufe und Gegebenheiten der Firma gewachsen. Mein neuer Chef kannte mich von früher und hatte mich unter „hat Berufserfahrung“ abgespeichert, so dass ich gleich ins kalte Wasser geschmissen wurde.
Das hatte es vorher schon gegeben, nur dass ich meine Freischwimmerübungen nun mit zwei Kindern auf dem Rücken machen musste.
Das hieß also Einarbeiten unter anderen Bedingungen. Und wieder neu lernen, zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt hin und her zu wechseln.
Am Anfang bedeutet es auch loslassen und darauf vertrauen, dass es auch ohne dich läuft.
3. Die Aufgaben haben sich verändert
Am Anfang dachte ich: „ich kann das nicht!“ oder „Das habe ich noch nie gemacht!“ Ich hatte vergessen, dass ich zuvor sehr viele Male, etwas zum ersten Mal hatte machen müssen.
Aber das Selbstvertrauen in meine Fähigkeit, mich in Neues einzuarbeiten und es anzunehmen, war während der Elternzeit offensichtlich geschrumpft. Oder durch andere Prioritäten ersetzt worden. Ich war jetzt eine Mama. Ich hatte Verantwortung für Wesen, die auf mich angewiesen waren.
Klar hat sich die Arbeitswelt verändert, aber die Fähigkeiten, die du als Mutter dazu gewonnen hast, sind sehr viel wert. (z.B. Zeitmanagement, Task switching, Gelassenheit…)
4. Es lohnt sich nicht
Wow! Während meiner Elternzeit hatte ich eine Gehaltserhöhung bekommen. Wahnsinn. Bei 60% Teilzeit und Steuerklasse 5 entsprach das ein paar Euro mehr… Hammer! – Nicht!
Tja… die Sache mit dem Ehegattensplitting… jeden Monat das gleiche Elend auf dem Gehaltszettel. Aber deswegen zuhause bleiben..? Nö!
5. Ich kann nicht so gut wie vorher sein
Stimmt leider teilweise. Richtlinien und Gesetze ändern sich ständig. Und wenn ich mir anschaue, wie die jungen Kolleginnen mit bestimmten Aufgaben umgehen, oder wie flink sie sind z.B beim Thema Digitalisierung etc. da muss du dich schon ranhalten. Aber von den Jungen kann man auch lernen.
Nun, die Bereitschaft nach der Elternzeit und bei der Rückkehr in den Job weiterhin Neues zu lernen sollte schon da sein!
6. Ich bin eine Rabenmutter
Ah… die Sicht der Außenwelt. Ist das so? Bin ich wirklich eine Rabenmutter? Ich beobachte an meinen Kindern, dass es tolle Kinder sind. Hilfsbereit, selbstständig, ausgeglichen, fröhlich, höflich, lernfähig, nicht verwöhnt, essen (bzw. probieren alles), sind einfach lieb… was will ich mehr? Was kann ich noch mehr Gutes für meine Kinder wollen?
Eigentlich kann ich mir doch nur wünschen, dass sie eine Mutter haben, die zufrieden ist, oder? Und die Zufriedenheit kommt nicht, wenn ich zuhause sitze.
7. Ich bin schwer zu verplanen
Als Teilzeitkraft wieder voll in Projekten arbeiten geht nicht so einfach. Da darfst Du entweder die Krümelarbeit bzw. Rest der anderen mitmachen, bist Backstopper oder bekommst Miniprojekte.
Ok. Ja, und? Das ist doch das Problem der Führungskraft, oder? Wenn du nach einiger Zeit siehst, dass du mehr leisten kannst, dann sprich es an und dann sollen sich die Chefs darüber den Kopf zerbrechen. Bei der jetzigen Marktlage beobachte ich viele Teilzeitmuttis, die sich dann etwas anderes suchen, wenn es nicht so läuft wie sie wollen. Rückkehr in den Job bedeutet vielleicht nicht der exakt selbe Job wie vorher, aber kommt Zeit kommt Rat. Und manchmal ergeben sich auch andere Entwicklungsmöglichkeiten.
Andererseits, wenn es dazu kommt, dass du in 80% der Zeit die Aufgaben zu 100% wie früher erledigst, dann ist das absolut nicht OK. Das passiert häufig bei Teilzeitkräften. Wenn du mehr arbeitest, sollte es auch honoriert werden. Mehr zum Thema Arbeitsbedingungen findest du hier auf dem blog.
Entwicklungsmöglichkeiten
Welche Fragen beschäftigen Dich rund um die Rückkehr in den Job? Brauchst Du Unterstützung bei einer Entscheidung? Möchtest Du etwas ändern? Dich weiter entwickeln? Möchtest Du einfach in den Job zurück ohne Nervenzusammenbruch? Möchtest Du etwas ganz anderes machen, weißt aber nicht was?
Schreib mir, ich freue mich, wenn Du mit mir an Dir arbeiten möchtest und ich Dir bei Deinen Fragestellungen helfen kann.
Deine Anna.
P.S.: Hier gibt es interessante Filmbeiträge: Frau tv.